Blog

Spotcar im Test - was kann der neue Konkurrent zu DriveNow, Car2Go und Multicity?

Spotcar im Test - was kann der neue Konkurrent zu DriveNow, Car2Go und Multicity?

Normally I blog here in English about programming stuff, this post is an exception since it's in German and about a new carsharing provider in Berlin.

Update (12.5.2015): Spotcar ist pleite!

Gestern, am 21. August 2014, ist Spotcar, der neue Carsharing-Anbieter von Opel, offiziell in Berlin gestartet. Da ich ein großer Carsharing-Enthusiast und regelmäßiger Nutzer von fast allen Anbietern (DriveNow, Car2Go, Multicity, Stadtmobil, Flinkster und Citee) bin, habe ich es mir nicht nehmen lassen, sofort eine Testfahrt zu unternehmen.

Das Ergebnis war leider nicht durchweg positiv, aber ich hoffe, es handelt sich bei allen Mängeln, die mir aufgefallen sind, um sogenannte Kinderkrankheiten.

Überblick

Spotcar funktioniert wie die drei großen Konkurrenten DriveNow, Car2Go und Multicity nach dem "Free-Floating"-Prinzip: die Autos stehen nicht an festen Stellplätzen und müssen auch dort wieder abgegeben werden, sondern sind im Geschäftsgebiet (bei allen Anbietern mehr oder weniger der innere Berliner S-Bahn-Ring) auf regulären Parkplätzen geparkt. Sie können über die Webseite der Anbieter oder deren mobile Apps, die es allesamt für Android und iOs gibt, reserviert und nach der Fahrt auch auf allen regulären Parkplätzen (auch auf denen, wo man normalerweise bezahlen muss) wieder abgestellt werden.

Die Autos, die Spotcar benutzt, sind vom Typ Opel Adam (mehr dazu später).

Der größte Unterschied zu den Mitbewerbern ist, dass Spotcar pro gefahrenem Kilometer, nicht pro Minute, abrechnet. Das kann, je nachdem, wie schnell man vorankommt, günstiger oder teurer als bei den anderen Anbietern werden (siehe Fahrtkosten). Pro Kilometer werden 69 Cent fällig.

Das Auto

Zuerst ein paar Bilder von aussen und innen:

Der Open Adam ist ein relativ geräumiger Dreitürer. Man hat mehr Platz als in einem Mini (dem Auto von DriveNow), aber er fühlt sich nicht so hochwertig an, sondern ein bisschen dünner und klappriger.

Das Cockpit, mit verdrehtem Lenkrad. Viele Knöpfe am Lenkrad, u.a. zum Einstellen einer Richtgeschwindigkeit, was meiner Meinung nach im Stadtverkehr nicht viel Sinn macht.

Die Anzeige hinter dem Lenkrad beim Fahren, viele Informationen auf der Digitalanzeige in der Mitte und dadurch etwas unübersichtlich finde ich.

Links: Ein paar Ladekabel (iPhone, iPod und Mini-USB) kommen aus der Mittelkonsole, nette Idee!
Rechts: Der Schlüssel im Handschuhfach, die Halterung ist allerdings sehr wackelig.

Insgesamt fährt sich das Auto okay, wobei mir einige Punkte negativ aufgefallen sind:

  • Kein Navi! Fast schon Standard in allen modernen Autos, und auch allen anderen Carsharing-Autos, soweit ich weiss, aber der Opel Adam hat kein integriertes Navigationsgerät! Ich hatte erwartet, dass es auf dem großen Bildschirm in der Mitte des Cockpits implementiert ist, aber die einzige benutzbare Funktion dort ist das Radio. Mehrere andere "Apps" werden angezeigt (Stitcher, TuneIn und BringGo), aber keine davon funktioniert.
  • Großer Wendekreis! Etwas, über das ich sonst nie nachdenke, aber schon bei der ersten Testfahrt ist mir zweimal aufgefallen, dass das Auto einen relatig großen Wendekreis hat. Kein allzugroßes Problem, es macht das Einparken allerdings etwas uneleganter.
  • Keine Power! Vielleicht das größte Manko von allen: der Opel Adam hat einfach keine Power! Die Beschleunigung ist ehrlich gesagt ein Witz. Im normalen Straßenverkehr mag das egal sein, aber gerade verglichen mit den DriveNow Minis und BMW 1er, und auch den Multicity Elektro-Flitzern, ist es mir schon sehr negativ aufgefallen.

Fahrtkosten

Dieser Punkt wird wohl über kurz oder lang der entscheidende Faktor für viele Benutzer sein, und damit entscheiden, ob sich Spotcar als ernsthafter Konkurrent zu den bestehenden Alternativen etablieren kann.

Da Spotcar einen komplett anderen Ansatz als alle anderen Firmen hat (Abrechnung pro gefahrenem Kilometer, nicht pro Minute), ist ein Vergleich schwierig. Man wird es selber ein paar Mal ausprobieren müssen und dann schauen, auf welchen Strecken es sich lohnt.

Bei meiner Testfahrt war ich genau 20 Minuten unterwegs und bin 5 Kilometer weit gekommen. Das ist natürlich recht wenig (mittags in Berlin rund um den Checkpoint Charlie ist kein gutes Durchkommen), daher komme ich mit Spotcar relativ günstig davon: 3,45€ (5km * 0,96€) für diese Fahrt. Bei DriveNow hätte mich die Fahrt 6,20€ gekostet (20min * 0,31€), bei Car2Go 5,80€ (20min * 0,29€) und bei Multicity 5,60€ (20min * 0,28€) (das ist jeweils der Normaltarif, bei jedem Anbieter kann man auch Minutenpakete kaufen, die den Preis pro Minute dann verringern)

Die App

Ich benutze ein Nexus 4 Smartphone und die Spotcar Android App läuft auf diesem Gerät gut und flüssig. Das Ausleihen klappt wie bei den anderen Anbietern über eine Karte, auf der man das Auto, das man reservieren will, antippt und dann auf "Jetzt reservieren!" klickt. Danach ist das Auto für 15 Minuten reserviert, danach wäre es wieder für andere Benutzer verfügbar.

Im Unterschied zu anderen Anbietern funktioniert auch das Öffnen und Verschließen des Autos über die App, es gibt also keine Chipkarte oder einen aufgeklebten Chip auf dem Führerschein. Das klappte bei meiner Testfahrt nicht sofort, da ich den Button zum Öffnen nicht finden konnte, aber nachdem ich die App einmal beendet und wieder neu gestartet habe, war er auch da. Ein weiterer Punkt, den ich als "Kinderkrankheit" verbuche.

Sonstiges

Noch ein Punkt, der mir negativ aufgefallen ist, ist die teure Support-Nummer. Wenn man mal ein Problem hat, muss man eine 01805-Nummer anrufen, das kann vom Handy schonmal teuer werden. Hier verstehe ich die Logik von Spotcar überhaupt nicht, ich würde einfach erwarten, dass es für Kunden eine kostenlose Nummer (oder maximal eine zum Ortstarif gibt).

Fazit: Ausbaufähig

Spotcar macht grundsätzlich eine Menge richtig (auch wenn sie sich als "Lifestyle-Carsharer" beschreiben, was ganz schlimmer Marketing-BS ist). Ich habe eine Menge Respekt davor, wie viel Aufwand und Koordination dazu gehört, so einen Service hochzuziehen, und gegen so erfolgreiche und schon relativ erfahrene Mitbewerber wie DriveNow, Car2Go und Multicity ins Rennen zu gehen.

Dennoch ist der Service an vielen Stellen noch ausbaufähig. Darüber hinaus wären einige Funktionen und Services wünschenswert, die Spotcar deutlich von den anderen Firmen differenziert.

Trotzdem werde ich Spotcar ab sofort in meine Suche nach dem nächsten Carsharing-Auto mit einbeziehen. Das ist ja das schöne für den Benutzer, es ist eine zusätzliche Option zu den schon bestehenden.

Ideas? Constructive criticism? Think I'm stupid? Let me know in the comments!